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Dresden mit dem Fahrrad an einem Tag

Wenn man von einem "Tagesausflug" spricht, denken die meisten Leute an einen Stadtbummel, einen Kaffee im Café und abends einen Film. Ich hingegen stelle mir Hügel, einen Fluss, Asphalt, viel Wasser, ein wenig Schmerz und große Freude vor. Und genau das erlebte ich am letzten Sonntag im Juni, als ich von Teplice nach Dresden und zurück aus eigener Kraft, also mit dem Fahrrad, unterwegs war.

Und es war kein Spaziergang. 181 km, durch das Erzgebirge, Städte, historische Zentren, Schlösser, Felsen und den Fluss Elbe, der mich schließlich sicher nach Hause führte.

Veröffentlicht: 8. 7. 2025
1 Min. Lesezeit
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Ich beginne in Teplice, wo der Tag gerade erst erwacht. Die Stadt ist noch verschlafen, hier und da ein morgendlicher Bus oder ein Hundebesitzer, die Häuser erwachen zu einem neuen Tag. Die Luft duftet nach Tau und es ist angenehm kühl. Während die anderen gerade erst aufstehen, mache ich mich bereits auf den Weg den Hügel hinauf – die ersten Meter, die ersten Umdrehungen der Pedale, die ersten Gedanken, ob ich alles habe. In meiner Ausrüstung fehlen mir nicht Multitool Lezyne und Mini-Pumpe Cycplus für den Fall eines Defekts, obwohl ich keinen Schlauch dabei habe, da ich auf schlauchlosen Reifen Panaracer Gravel King Slick fahre. Außerdem habe ich genügend Energie-Riegel Chimpanzee und lösliche Tabletten Penco AC Tabs Hydratation für die Flaschen mit eingepackt.

Mit jedem Tritt wächst die Gewissheit. Den Anstieg nach Cínovec kenne ich gut – ich weiß, was mich erwartet, und ich weiß auch, dass die Belohnung für die Anstrengung kommen wird. Ich passiere die alte Zollstation, eine Erinnerung an Zeiten, als Grenzen noch einen Halt bedeuteten. Heute? Einfach einatmen und man befindet sich in einer anderen Welt.

Hinter Altenberg erwartet mich die erste Abfahrt. Der Wind im Helm, der Asphalt zieht unter den Rädern vorbei und ich werde von diesem bekannten Gefühl der Freiheit überflutet. Hier erinnere ich mich, warum ich das liebe – und dass mir ein unvergesslicher Tag bevorsteht.

Dippoldiswalde, Windmühle und Weiterfahrt nach Dresden

In Dippoldiswalde verlasse ich die Hauptstraße und steuere auf Possendorf zu. Ich nehme das Tempo heraus, fahre durch Felder und die sich windende Straße führt mich durch eine Landschaft, die ruhig und freundlich wirkt. Genau hier steht eine schön erhaltene Windmühle, die ich besuche. Es ist die Art von Zwischenstopp, bei dem auch die Zeit stehen bleibt. Das Rad lehnt am Zaun, ein paar Fotos, tief durchatmen und weiter geht's.

Von Bannewitz aus fahre ich direkt nach Dresden. Die Stadt rückt näher, der Verkehr wird dichter, aber die gewählte Route, die sogenannte „alte Straße“ führt mich bequem. Ich passiere eine orthodoxe Kirche, fahre am Hauptbahnhof vorbei und gelange auf die Prager Straße.

Dresden: Sehenswürdigkeiten

Die Hitze fordert ihren Tribut. Als ich auf der Prager Straße auf eine städtische Trinkstelle stoße, ist es wie ein kleines Wunder. Das Wasser fließt und ich mache eine Pause, fülle die Flaschen auf, spüle mein Gesicht ab und stehe einen Moment lang im Schatten. Genau hier passiert mir eine angenehme Überraschung,

Ich treffe einen Kunden, dem ich vor einiger Zeit ein Fahrrad verkauft habe. Er steht dort, lächelt und hat das Fahrrad dabei, das ich ihm persönlich im Laden übergeben habe. Wir wechseln ein paar Worte, lachen über diesen Zufall und dann gehen wir wieder unsere Wege. Um mich herum flitzen Touristen, aber ich habe für einen Moment meine eigene Raumzeit.

Von hier aus gehe ich zum Altmarkt, dem ikonischen Platz in Dresden. Es überrascht mich, wie leer es ist. Keine Märkte, keine Stände, nur eine leere Fläche aus Pflastersteinen. Im Winter ist es hier eine andere Welt, berühmte Weihnachtsmärkte, der Duft von Punch, Lichter. Jetzt nur Hitze und Stille.

Ich mache mich weiter auf den Weg ins Zentrum und lasse mich von der Geschichte treiben. Der Fürstenzug – ein riesiges Mosaik von Reitern, jedes Detail spricht von Macht und Geschichte. Dann das Hof des Zwinger, seine Brunnen und Arkaden. Für einen Moment fühle ich mich wie irgendwo in Italien. Die Semperoper steht gleich nebenan, elegant und beeindruckend.

Zum Schluss kehre ich zur Frauenkirche zurück, der majestätischen Kathedrale, die aus den Trümmern wieder aufgebaut wurde. Ich mache hier ein Erinnerungsfoto, lächle und weiß, dass ich diesen Moment bewahren möchte. Im Herzen und in der Fotogalerie.

Elberadweg: Schlösser, Brücken und asphaltierte Streichelungen

Entlang der Brühlschen Terrasse fahre ich zur Elbe hinunter und gelange auf den Elberadweg. Hier beginnt ein ganz neues Kapitel der Heimreise, aber mit einem neuen Rhythmus, mit einer anderen Ruhe. Der Weg windet sich entlang des Flusses, der träge zwischen den Ufern dahinzieht und die Sonne reflektiert, als wollte er mich begleiten.

Bald passiere ich eine eingestürzte Brücke, deren Trümmer daran erinnern, dass auch menschliche Bauwerke ihre Zeit haben. Die Straße beruhigt sich, die Autos verschwinden und vor mir öffnet sich ein grüner Tunnel, durch den ich im Rhythmus der drehenden Pedale fahre.

Zur Linken erscheinen die Schlösser Albrechtsberg und Lingnerschloss, elegante Bauten mit Blick auf den Fluss. Ich habe Lust anzuhalten, aber die Beine treten weiter. Als ich unter der Loschwitzer Brücke, der ikonischen Blauen Brücke, hindurchfahre, empfinde ich einen besonderen Respekt, diese Brücke ist mehr als nur eine Verbindung zwischen den Ufern. Sie ist ein Symbol von Dresden.

Dahinter schlängelt sich der Weg um Schloss Pillnitz, ein barockes Schloss, das sich still hinter den Bäumen versteckt. Es ist ruhig hier, wenig Menschen, nur Radfahrer und Fußgänger, die wie ich das Gleichgewicht zwischen Landschaft und Bewegung suchen.

Der Abschnitt zwischen Heidenau und Pirna ist flach. Für manche mag er langweilig erscheinen, aber für mich ist es der ideale Raum zum Nachdenken. Mein Rennrad Cannondale Synapse Hi-Mod fährt wie geschmiert, der Wind streicht mir übers Trikot und ich spiele im Kopf ab, was ich heute alles gesehen habe. Der Körper fährt auf Autopilot, der Kopf schwebt über die Landschaft.

Felsen, Bastei und Königstein

Hinter Pirna verändert sich die Landschaft dramatisch. Die asphaltierte Gemütlichkeit bricht plötzlich in Stein und Wald auf, ich betrete die Welt des Elbsandsteingebirges. Hohe Felsen erheben sich wie steinerne Türme, die Schatten werden länger und die Fahrt bekommt eine völlig andere Atmosphäre. Es ist, als würde man in eine andere Welt fahren, eine rauere, aber schöne.

Ich komme an dem Aussichtspunkt Bastei vorbei, der aus der Höhe den Fluss als Beobachter der Ereignisse überwacht. In meinem Kopf sage ich mir, dass ich eines Tages auch zu Fuß hierher kommen muss, vom Fahrradsattel aus sieht man alles nur von unten. Der Weg schlängelt sich weiter entlang der Elbe, die Kurven winden sich, aber es ist nicht schwierig. Eher meditativ.

Dann erhebt sich vor mir Königstein – eine mächtige Festung, die hier wie ein Wächter des gesamten Tals steht. Es ist ein beeindruckender Anblick, der mein Herz berührt. An diesem Ort beginnt sich für mich langsam der Kreis zu schließen. Ich weiß, dass ich mich den Grenzen nähere und das Zuhause nicht mehr weit ist.

Děčín, Ústí und die letzten Kilometer

Hinter Königstein schaue ich öfter auf den Tacho als je zuvor. Die Kilometer addieren sich und mit jedem weiteren fühle ich, wie ich mich auf die Grenze freue. In Bad Schandau wird mir klar, dass das Zuhause wirklich nah ist und dieser Gedanke gibt mir Kraft in die Beine.

Ich fahre durch Schöna, den letzten deutschen Ort, wo mir der Anblick des tschechischen Grenzpfostens mit der Flagge ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Ich bin zurück. Zurück auf heimischem Boden, aber noch nicht am Ziel.

In Děčín überquere ich die Tyršův-Brücke zum x-ten Mal, und doch erinnert sie mich immer an etwas. Ich halte im Campingplatz am Fluss an. Wasser, Essen, kurzes Dehnen. Der Körper verdient ein wenig Pflege.

Die Strecke von Děčín nach Ústí bin ich schon oft gefahren, ich kenne jede Kurve, jede Bank an der Elbe. In Ústí fahre ich an der abgebauten Tomáš Masaryk-Brücke vorbei, überquere die Eisenbahnbrücke, die sich mir als Tor zum Ende der Reise in Erinnerung brennt.

Dann nur noch die bekannte Gerade durch Trmice. Ich passiere den Milada-See, der in der Abendsonne glitzert, und verlangsame kurz, um den Anblick zu genießen. Das Wasser ist ruhig, der Radweg dröhnt unter den Rädern, und ich habe das Gefühl, dass die Welt für einen Moment mit mir langsamer wird. Von hier aus sind es nur noch ein paar letzte Kilometer nach Teplice. Die Beine schmerzen, aber das Lächeln bleibt. Ich weiß, dass ich angekommen bin. Und dass ich diesen Tag lange in Erinnerung behalten werde.

181 Kilometer in den Beinen, der Kopf voller Bilder

Ich erreiche Teplice kurz vor dem Abend. Der Körper schmerzt, das Trikot ist vom Schweiß durchnässt und mein treues Rad, ein Cannondale-Rennrad, sieht aus, als bräuchte es ebenfalls eine Pause. Aber im Kopf hat sich eine Ruhe eingestellt, eine gute Ruhe, die kommt, wenn man etwas abgeschlossen hat. Und mit ihr klingt ein Lied von Depeche Mode, Never Let Me Down Again in meinen Ohren. Als wäre es der Soundtrack-Abschluss des ganzen Tages – melancholisch, stark, endlos.

Ich halte einen Moment vor meinem Zuhause, in meiner Straße, in meiner Heimatstadt. Teplice taucht langsam in das Abendlicht ein, und alles umher wirkt vertraut und ruhig. Der ganze Tag zieht vor meinem geistigen Auge vorbei. Erzgebirge, Mühle in Possendorf, Dresden, Fluss, Festung, Brücken, Wasser, Felsen… alles. Jeder Abschnitt hatte seinen eigenen Rhythmus, jeder Kilometer seine eigene Stimmung. Und zusammen ergab es eine unvergessliche Reise.

Diese Tour war genau der Grund, warum ich das Radfahren so liebe, sie drehte sich nicht um die Leistung, sondern um das Erlebnis. Darum, unterwegs zu sein. Wenn ich das nächste Mal wieder Lust verspüre, in die Pedale zu treten, weiß ich, welchen Weg ich einschlagen werde. Und auch warum.

Ich lebe seit meiner Kindheit für das Radfahren und entdecke am liebsten die Umgebung, während ich bei Koloshop den Menschen helfe, die Ausrüstung für ihre eigenen Reisen auszuwählen. Wenn ich nicht im Sattel sitze, gehe ich mit meinem vierbeinigen Begleiter Sky spazieren, der mich jedes Mal daran erinnert, wie rein die Freude an der Bewegung sein kann.

Kommentare (2)

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Dobrý den Milane,

děkuji za milý komentář, opravdu potěšil.
Sice to někdy vypadá, že jsem neustále jen za pultem, ale také si umím kolo užít, když je příležitost.

Odkaz na trasu najdete zde:
https://connect.garmin.com/modern/course/373571508

Mějte se hezky a třeba se někdy potkáme i na cestě.

10.07.2025 08:52
Radek Musil
Radek Musil

Pěkný výlet. Konečně Vás taky vidím na kole a nejen za pultem. :-) Trasa v gpx by nebyla?

09.07.2025 17:06
M
Milan

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