Erinnern Sie sich an das Fahrrad nur als unbeschwerten Spaß aus der Kindheit? Als Erwachsene wieder in den Sattel zu steigen, kann wegen der Flut an Fahrradzubehör und Begriffen etwas einschüchternd sein. Was hätte ich gern vor meiner ersten Fahrt gewusst, wie wählt man den richtigen Fahrradtyp aus und was brauchen Sie wirklich für die erste Ausfahrt? Schauen wir uns das gemeinsam an.
Als ich klein war, bedeutete Radfahren, das Bein über den Rahmen zu schwingen, zum Teich zu fahren und sich auf dem Rückweg ein Eis zu gönnen. Keine große Sache. Doch dann wird man erwachsen, entscheidet sich, nach Jahren wieder einzusteigen, und stellt fest, dass man ohne Carbon, Wattmesser und SPD-Pedale quasi gar nicht existiert. Moderne Radsportwelt hat für Laien enorme Einstiegshürden. Wie verliert man dabei nicht den Überblick, gibt nicht seine Ersparnisse für die nächsten drei Jahre aus und vor allem: wie überlebt man das? Keine Sorge, das geht. Und auch das Eis als Kohlenhydratquelle kannst du dir zur Belohnung ruhig gönnen.
Fahrt niemals ohne Fahrradhelm! Kein paar Meter, auch dann nicht, wenn er euch nicht steht – einfach nie. Vielleicht überrascht euch das, aber das Fahrrad ist erst die zweitwichtigste Sache. Als ich darüber nachgedacht habe, ob ich mich aufs Rad setzen soll oder nicht, war mir von Anfang an eines klar: Meine ersten Fahrversuche wollte ich ohne Verletzung überstehen. Deshalb war das allererste, was ich mir gekauft habe, nicht ein schickes Trikot, sondern ein ordentlicher Helm mit MIPS.
Gleich im ersten Absatz schon eine Abkürzung – ja, aber die solltet ihr euch merken. Es stimmt zwar: besser irgendein Helm als gar keiner, aber MIPS als Sicherheitsmechanismus gibt euch mehr Ruhe und kann das Wertvollste retten – euer Leben. Lasst euch beim Kauf auf jeden Fall nicht nur zur richtigen Größe beraten, sondern auch zum richtigen Tragen. Draußen sehe ich viel zu viele Leute, die den Helm falsch aufhaben.
MIPS ist eine Technologie in Form eines speziellen gelben Einsatzes im Inneren des Helms, dessen Aufgabe es ist, die auf Kopf und Gehirn wirkenden Rotationskräfte im Falle eines Aufpralls oder Sturzes beim Radfahren zu reduzieren. Im Prinzip wirkt MIPS zwischen zwei Schichten der Helmschale, die sich bei einem Sturz gegeneinander verdrehen. Diese Technologie wird von immer mehr Helmherstellern genutzt – sowohl von größeren als auch von kleineren –, wobei Sie einen Helm mit dieser Technologie an dem kleinen gelben Logo an der Außenseite des Helms erkennen. Derzeit gibt es etwa 5 Arten des MIPS-Systems.
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Den Helm haben wir schon – und was ist nun mit dem Fahrrad. Wenn ihr wie ich ganz bei null anfangt, kann sogar so eine Sache wie ein Fahrrad zu einem echten Rätsel werden. Mein Kinderfahrrad hatte ich von meinem Bruder, und meine Freunde aus dem Dorf wünschten sich unter den Weihnachtsbaum immer einen ordentlichen „Mountainbike“. Einfach, klar.
Die Auswahl ist jedoch viel größer, und deshalb hat mir das Ganze ein bisschen den Kopf verdreht – will ich im Gelände fahren oder doch lieber auf Asphalt Tempo machen? Daher finde ich es ideal, in einen Verleih zu gehen und auszuprobieren, welches wirklich das Richtige ist. So habe ich schnell herausgefunden, dass ein Mountainbike nichts für mich ist, und dass ich auf den Brünner Radwegen ordentlich durchgerüttelt würde, wenn ich auf einem ansonsten perfekten Rennrad dahinfegen würde. Also hat nach ein paar Versuchen und Ausleihen das Gravel gewonnen – und auch nach einem Jahr bin ich mit der Wahl sehr zufrieden.
Wenn ihr aus Teplice kommt: Im Koloshop finden von Zeit zu Zeit Testtage statt, bei denen ihr die Chance habt, Fahrräder verschiedener Marken kostenlos auszuprobieren.
Tipp: Fragen Sie in der Fahrradverleihstation auch nach einem Licht – oft war es auf der Website nicht im Angebot, aber wenn Sie erklären, dass Sie mit dem Radfahren erst anfangen und Ihnen daher die Ausrüstung noch fehlt, hat sich immer eines gefunden, und gesehen zu werden ist wichtig; gleich nach dem Helm ist es ein wichtiges Sicherheitselement.
Auf Instagram geht’s nur um Lycra, SPD, Wattzahlen – und da einen kühlen Kopf zu bewahren, erfordert eine Gelassenheit, die eines Dalai Lama würdig ist. Wenn ich aber im Rückblick darauf schaue, bin ich froh, dass ich all diesen Versuchungen widerstanden habe. Die ganze Zeit versuche ich, nur das zu kaufen, was ich wirklich brauche, und auch bewusster auszuwählen, damit ich wegen einer vorschnellen Entscheidung die Ausrüstung nicht öfter austauschen muss, als nötig.
Für die ersten Ausfahrten hat es mir gereicht, Radhosen mit Polster und den erwähnten Helm zu haben. Um herauszufinden, ob ich nach Jahren noch auf dem Rad klarkomme und es mich weiterhin begeistert, musste ich diese Basis nur mit einem normalen T‑Shirt und Laufschuhen ergänzen – dazu eine klassische Sonnenbrille, eine Bauchtasche (es ist gut, Kleingeld für ein Getränk dabeizuhaben – einen Bidon habe ich erst später gekauft –, einen Riegel, Handy, Ausweis und Schlüssel) – und los ging’s. Es war vielleicht nicht das Stylischste und auch nicht das Bequemste, aber die erste Fahrt wird für die meisten absoluten Anfänger sowieso weder ein Ultra-Trail noch ein Hunderter auf der Straße sein.
Ich habe nur das ausgewählt, was ich Freunden empfehlen würde. Helm und Reifenheber habe ich zwar auch, aber da ist es vermutlich wichtiger, die Ausrüstung einfach zu haben, als dass ich bei meiner Auswahl total aus dem Häuschen wäre. Wenn Sie eine komplette Übersicht interessiert, was man sich fürs Rad zulegen sollte, schauen Sie auf unserem YouTube kanál vorbei – dort ist alles in einem kurzen Video zusammengefasst.
Kaufen Sie nichts nur deshalb, weil „es alle haben“ oder weil jemand gesagt hat, Sie hätten einen unnötig schweren Helm. Wenn Ihnen davon nicht der Nacken wehtut, spielen die Gramm am Anfang keine Rolle. An Schlimmeres gewöhnt man sich schlecht, aber am Anfang ist es ein Vorteil, dass man nichts zum Vergleichen hat – und so ist auch die Basis völlig okay und jedes sorgfältig ausgewählte Zubehör eine große Freude.
Ich habe das Glück, tolle Kolleg:innen zu haben, dadurch habe ich mir einiges an Leid erspart – und gute Tipps sollte man weitergeben. Hier sind sie:
Ich dachte, auf dem Rad muss man immer hintereinander fahren. Das ist aber nicht immer die beste Lösung. Im Verkehr außerhalb von Ortschaften (und in Kreisverkehren) ist es für Autofahrer oft vorteilhafter, wenn man einen möglichst kurzen „Überholabschnitt“ bildet und lieber nebeneinander fährt.
Es gibt nichts Schlimmeres, als wenn man bergab in einem schweren Gang fährt, an einer Kreuzung ankommt, anhalten muss und in dem Moment, in dem eine Lücke entsteht, schnell losfahren will – aber oje: Aus dem Stand schießt man mit einem schweren Gang nicht los. Ideal ist es, rechtzeitig auf einen leichten Gang runterzuschalten. Gefährlich ist die Situation vor allem dann, wenn die Fahrtechnik am Anfang noch nicht Ihre Stärke ist. Scheuen Sie sich deshalb nicht, in Abschnitten, in denen Sie sich unsicher sind, lieber zum Zebrastreifen zu fahren und vom Rad abzusteigen.
Wir lockern das Ganze mal mit einem Tipp auf, über den ich gelacht habe – bis ich den Unterschied selbst ausprobiert habe. Ihr Unterleib wird es Ihnen danken, wenn Sie keine zusätzliche Stoffschicht hinzufügen, und wenn Sie dann noch eine Creme verwenden, werden Sie sehen, wie gut es Ihnen nach der Ankunft geht :)
Tipp: Wussten Sie, dass der Radsport seine geheime Zeichensprache hat? Wenn das nächste Mal ein Radfahrer vor Ihnen mit dem Finger irgendwo neben sich herumfuchtelt, weist er Sie wahrscheinlich auf ein gefährliches Schlagloch auf der Straße hin. Es gibt noch viel mehr solcher Signale, und wenn Sie sie kennen, haben Sie gleich ein besseres Gefühl, dass Sie schon dazugehören.
Dass Sie erst dann auf die Straße gehen sollten, wenn Sie mit den Verkehrsregeln vertraut sind (wenn Sie keine Fahrschule gemacht haben, lernen Sie die Verkehrszeichen) und sich auf dem Fahrrad sicher fühlen (zum Beispiel kann das Abbiegen mit Handzeichen am Anfang ein Balanceakt sein, den Sie nicht gerade an einer Kreuzung üben wollen), würde ich gern als selbstverständlich ansehen, aber ein Unfall passiert nicht zufällig. Auch wenn Sie sich vorschriftsmäßig verhalten, muss der Autofahrer es nicht tun. Stellen Sie sich darauf ein, dass die Straße kein Spaß ist, und prüfen Sie Ihre Grenzen. Am Anfang bin ich am liebsten sonntags früh morgens gefahren, wenn ich wirklich nur sehr wenigen Autos begegnet bin. Oder abseits der Straßen.
In den sozialen Medien, im Internet und um Sie herum sehen Sie vor allem die spaßige Seite des Radfahrens. Die, bei der Sie mit dem Wind um die Wette dahinsausen und für einen Moment völlig frei sind. Die, bei der das Fahrrad der beste Kumpel ist und Ihnen hilft, sich körperlich und seelisch besser zu fühlen. Die, bei der Sie dank dem Radfahren neue Leute kennenlernen und Ihre Grenzen verschieben.
Später erfahren Sie jedoch, dass eine Ausfahrt nur so gut sein wird, wie gut Ihre Vorbereitung ist. Damit Ihr Fahrrad lange hält, sollten Sie sich mindestens 3 grundlegende Fähigkeiten aneignen:
Vergessen Sie sich selbst auch nicht! Für eine bequemere Fahrt ist es praktisch, zu Hause Chamois-Creme zu haben, für mehr Ausdauer ein paar Kohlenhydrate (Gel, Riegel, Törtchen – das ist Ihnen überlassen :)) und außerdem empfehle ich persönlich, vor der Fahrt und auch währenddessen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten, damit Sie keine Krämpfe bekommen. Essen und trinken sollten Sie immer, bevor Sie Hunger und Durst bekommen.
Für den Anfang kommen Sie mit dieser Grundlage gut zurecht, und wenn Sie jemanden in Ihrem Umfeld haben, der dem Radsport schon verfallen ist, wird er seine Tipps sicher gern mit Ihnen teilen. Der wichtigste Rat zum Schluss: Genießen Sie es! Egal, ob Sie mit einem Kumpel, allein oder bei einer Gruppenfahrt unterwegs sind – mit jedem Kilometer und jeder neuen Situation werden Sie sicherer, und wenn Sie das Radfahren ins Herz schließen, werden Sie ein unzertrennliches Duo.
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